Wenn dich das Internet verlässt…

Wie abhängig sind wir wirklich und kann man uns helfen?

 

Anfangs sah es noch wie ein normales klassisches Problem der Telekom aus – doch nach einigen Monaten war dann auch uns klar, dass es wohl am Router liegt.

Unser Internet war ständig weg. Mal nur für 5 Minuten, manchmal für einen ganzen Tag, an dem es beinahe unmöglich war, für die Uni zu arbeiten, Bestellungen zu tätigen, Serien zu schauen, …. was man eben so alles am Tag mit dem Internet macht.

In der digitalisierten Gesellschaft sind wir nicht nur alle ein bisschen süchtig nach dem Internet, nein, wir sind bei fast allem was wir tun auf das Internet angewiesen und brauchen es.

Für alltägliche Tätigkeiten. Und das wird einem erst bewusst, wenn einem dies nicht mehr möglich ist.

 

 Mehr Produktivität durch Offline-Sein?

quote-chalk-think-words.jpg
Quelle: pexels.com

 

Hat man den ersten Schock überwunden, überlegt man sich, was man denn so alles tun könnte, was kein Internet erfordert und wie man den Tag trotzdem produktiv nutzen kann:

  • Aufräumen & putzen: Ist doch schon lange mal wieder überfällig, oder?
  • Das Bett neu beziehen: Dafür sind wir sonst ein bisschen faul, nicht wahr?
  • Lesen: Und das schließt natürlich alles aus, was sich nur im Internet aufrufen lässt – also vor allem Web Blogs (selbst wenn man diese nicht regelmäßig liest bin ich mir sicher, dass in der großen Fülle der Blogosphäre für jeden etwas zu finden ist!), e Papers (die es mittlerweile von fast allen Zeitschriften gibt), die Mails, …. Und so weiter. Offline muss man eindeutig auf analoge Mittel zurückgreifen, zum Beispiel dem lokalen, vom Aussterben bedrohtem Buchladen einen Besuch abstatten. Oder sich endlich an den Bücher- und Zeitschriftenstapel vom Nachtisch oder dem Bücherregal (besitzen Leute außer ich sowas noch? 😉 ) ranmachen und wie in den guten alten Zeiten den ganzen Tag in einem Buch versinken und alles um sich herum vergessen. Buchempfehlungen suchen? Online geht das ja gerade nicht…
  • Eine etwas weniger produktive Variante ist, sich mit seinen Freunden zu treffen. So habt ihr zwar einen schönen offline Tag und könnt Beziehungen pflegen, aber produktiv seid ihr in den allermeisten Fällen eher nicht.
  • Für die Uni arbeiten: Klingt natürlich erstmal plausibel. Es lenkt einen kein Twitter ab, alle paar Minuten durch Instagram scrollen ist auch nicht möglich und Nachrichten von Freunden oder aus der sehr aktiven #onkomm Whatsapp Gruppe erscheinen auch nicht ständig auf dem Startbildschirm des Smartphones.

 

Aber auch für Uni Aufgaben ist das Internet unerlässlich, gerade bei einem digital orientieren Studienfach wie Onlinekommunikation (oder Informatik, Grüße gehen raus an meinen Mitbewohner: Hi Johannes!).

 

Medienkompetenz an Schulen

Im Rahmen der Digitalisierung und der Einführung von E-Learning in allen möglichen Bildungseinrichtungen spielt das Internet auch beim Lernen und in der schulischen und akademischen Bildung eine große Rolle.

In manchen weiterführenden Schulen wird das sehr ernst genommen, manche Schulen tragen sogar Titel wie ‚Medienkompetenzschule‘, was je nach Kompetenz der Lehrer, wie es bei mir der Fall war, jedoch eher belächelt wird und als eine Art Running Gag unter den Schülern verwendet wird.

In Rheinland-Pfalz hat das Bildungsministerium ein Projekt namens ‚Medienkompetenz macht Schule‘ eingeführt. Dieses Programm hat 10 Leitlinien, um die Medienkompetenz der Lehrer und Schüler zu erhöhen und fördern. Das Ministerium hat klar erkannt, wie sehr die Digitalisierung in alle Lebensbereiche eingreift und welchen Einfluss sie auf das alltägliche Leben hat und setzt sich zum Ziel, den Jugendlichen Chancen und Risiken zu lehren.

schule
Quelle: Kinzig Schule

 

Digitalisierung und E-Learning an Unis und Hochschulen

 

An Universitäten und Fachhochschulen, wie auch hier an der Hochschule Darmstadt, ist das ein wenig anders. Auf den folgenden Arten und Weisen macht sich die Digitalisierung dort deutlich:

 

  • Die Einschreibung: Heutzutage beginnt das Studium schon digital – online informiert man sich über die Möglichkeiten, die einem nach dem Schulabschluss oder der Ausbildung offenstehen. Man kann zudem die Zulassungsverfahren und deren Ergebnisse der vergangenen Semester einsehen und die Universitäten auf Basis von verschiedenen Statistiken oder hinsichtlich der Studieninhalte miteinander vergleichen. Dafür gibt es Websites, aber auch eigenständig ist eine tiefgreifende Recherche möglich.
  • Die Einschreibung selbst findet dann auch zunächst online statt. Es genügt, seine Daten einzugeben und Dateien wie die Hochschulzugangsberechtigung (also das Abiturzeugnis) hochzuladen, alles nochmal kurz abzuchecken und dann auf einen Button zu klicken, der alles problemlos an die akademische Einrichtung weiterleitet.
  • Informationen über den Stand der Bewerbung lassen sich ebenso online überprüfen und auch die Zulassungs- oder Ablehnungsbescheinigung erhält man häufig online bevor sie per postalischem Weg angekommen sind.
  • Im Falle der Zulassung stehen dann bürokratische Hürden wie die Bezahlung oder das Zusenden weiterer Unterlagen an. Auch hier spielt das Internet eine große Rolle – dank Online Banking und Dropboxen, in denen man sich seine Unterlagen gegebenenfalls abgespeichert hat, lassen sich die meisten Hürden durch ein paar wenige Klicke schnell und einfach lösen.
  • Wenn das Studium dann endlich losgeht, werden wir allmählich in alle Onlinesysteme der Universität eingeführt.Viele neue Begriffe und unglaublich viele neue Links und Anmeldedaten erwarten einen jetzt, klar ist, ohne Internet funktioniert hier gar nichts: Es gibt regelmäßige Abgabentermine, zu denen man Projekte und Aufgaben online ins Moodle hochladen muss, die Skripte werden nach Vorlesungen online hochgeladen und stehen zum Download verfügbar, Kommunikation und Austausch zwischen Studenten bei Gruppenarbeiten finden viel über Plattformen wie Skype oder gemeinsame Dropboxen statt.

 

Wie man sieht – offline sein kann man nicht unbedingt Produktivität gleichsetzen! 

Wo recherchiert man schnell und einfach Fakten für den Blogeintrag?

Was mache ich, wenn ich ein Wort nicht verstehe oder einen Rechenweg nicht nachvollziehen kann?

Die Skripte habe ich vorher nicht gedownloadet – wie soll ich meinen internetfreien Tag produktiv nutzen?

Insgesamt lässt sich durchaus festhalten, dass wir alle etwas süchtig nach den sozialen Medien, der ständigen Erreichbarkeit und dem Internet sind – aber das liegt sicherlich zu großen Teilen auch daran, dass wir so sehr daran gewöhnt sind. Das Internet ist nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben und Unternehmen und Bildungseinrichtungen haben diesen Trend erkannt, haben eigentlich fast keine andere Wahl, als ihm zu folgen und ihre Angebote anzupassen.

Dennoch gibt es auch Trends und Bewegungen, die sich bewusst gegen das Internet und die digitale Wandlung stellen und bewussten Verzicht ausüben:

 

Weniger ist mehr

Ganz getreu dem Motto ‚Weniger ist mehr‘ gibt es auch Bewegungen an Menschen, die sich bewusst von der digitalen, schnelllebigen Konsumgesellschaft abgrenzen wollen und einen anderen Lebensstil bevorzugen.

spring-tree-flowers-meadow-60006.jpeg
Quelle: pexels.com

‚Slow‘ nennt sich dieser entschleunigte Lebensstil, der sich besonders in den letzten Jahren verbreitet und seine Anhänger gefunden hat – und zwar in allen möglichen Bereichen:

 

  1. Slow Food: Der Begriff Slow Food etablierte sich durch eine italienische Organisation, die es seit 1992 auch in Deutschland gibt. Die Non Profit Organisation steht für bewusste Ernährung statt Wegwerfgesellschaft und setzt sich klar für artgerechte Tierhaltung und regionale, nachhaltige Landwirtschaft ein. Genuss und gute Qualität der Lebensmittel stehen hier im Mittelpunkt.

 

  1. Slow Travel: Auch die Reisebranche wird massiv durch die Digitalisierung beeinflusst. Der Prozess hin zur Buchung wird nach und nach immer mehr digitalisiert. Auch während der Reise selbst wird das Handy nur selten aus der Hand genommen – man könnte ja was verpassen und will die Zurückgebliebenen ja schließlich an seinen Erlebnissen teilhaben lassen! 
pexels-photo-571169.jpeg
Quelle: pexels.com

Abschalten fällt so nicht leicht, da das Entfliehen der Schnelllebigkeit des Alltages fast unmöglich gemacht wird, ganz im Gegensatz zur Art des langsamen, bewussten Reisens.

Eine österreichische Tourismuswebsite erklärt das Konzept von Slow Travel und der Langsamkeit sehr gut, auch wenn es klar ein werblicher Artikel über Österreich als Reiseland ist. Beim Slow Travel steht die Natur mehr im Vordergrund, der Reisende soll seine Umwelt mit mehr Zeit und Achtsamkeit beachten sich und so entschleunigen.

Allein über Slow Travel lässt sich unglaublich viel sagen, da es ein unglaublich spannendes Thema ist und ich eine große Leidenschaft für Reisen und Tourismus habe. Falls ihr euch für weitere Artikel interessiert, findet ihr hier ein paar spannende Artikel:

 

3. Slow Media: Auch in der Medienbranche gibt es einen Trend zur Achtsamkeit und der bewussteren Nutzung des Internets und digitalen Angeboten.Etabliert hat sich der Begriff des ‚Slow Media‘ 2010 durch das Slow-Media- Manifest des Slow-Media-Institutes. Wie auch bei der Slow Food und -Travel Bewegung steht hier im Vordergrund, seinen Konsum aufmerksam zu hinterfragen, um sich bewusst gegen die schnelllebige Gesellschaft zu wenden.

 

Digitaler Detox im Wald?

pexels-photo-723585.jpeg
Quelle: pexels.com

Mittlerweile hat sich dies soweit gewandelt, dass Menschen bewusst einen ‚Digital Detox‘ durchführen und im Rahmen dessen auf digitale Medien verzichten. Es gibt sogar Geschäftsmodelle mit Camps für Erwachsene, in denen Handys nicht erlaubt sind und Seminare und Vorträge zum Thema Offline Sein und Internetsucht gehalten werden. Das nicht nur in Deutschland, sondern sogar weltweit!

Das Konzept ist einfach: Erwachsene verbringen eine bestimmte Anzahl an Tagen (von einem Wochenende bis hin zu einem längeren Zeitraum) in der Natur ohne ihr Smartphone und erfahren dort mehr zur Thematik Suchtpotenziale und Konsumverhalten. Ziel ist es, dass die Teilnehmer sich klar über ihre Situation werden und so an sich selbst arbeiten, damit es in Zukunft einfacher fällt, das Smartphone aus der Hand zu legen.

Um im eigenen Leben etwas zu verändern und digitale Medien bewusster zu nutzen, muss man aber nicht mal unbedingt Geld ausgeben und das Problem größer machen als es ist: Meine liebe Kommilitonin Denise hat dieses Thema in ihrem Blogbeitrag angesprochen und gibt Tipps, wie ihr euer Leben durch weniger Internetnutzung verändern könnt und erzählt aus ihrem eigenen Leben. Wie man das Ganze auch mit einem Studium wie Onlinekommunikation vereinbaren kann, zeigt sie sehr gut durch ihre selbst auferlegten Regeln.

Wie steht ihr zu dem Thema Produktivität und Online / Offline Sein – ist euch auch schon einmal bewusst geworden, wie sehr wir eigentlich auf das Internet angewiesen sind? Ich freue mich sehr darauf, von euren Erfahrungen zu hören!

Advertisements

7 Kommentare zu „Wenn dich das Internet verlässt…

  1. Super Beitrag und eindeutig relatable, da ich selbst schon mit Internetausfall im Wohnheim zu kämpfen hatte 😀

    Es gibt aber tatsächlich noch Studenten, für keinen Internetzugang haben. Eine Freundin von mir lädt dementsprechend Dateien vom onlineportal in der Uni runter und arbeitet, wenn sie doch mal Internet braucht in der Bib.
    Natürlich ist das kein kompletter Entzug, da sie noch ganze 300 MB mobile Daten hat, aber es trotzdem interessant zu sehen, wie es ohne Internet funktioniert.
    Dabei ist es wichtig erwähnen, dass sie Jura studiert und fast alles selbst aus den Büchern lernt. Auch bei BWL kommt man mit dem Skript und den Lösungen zu den Tutorien gut klar 😀

    Gefällt mir

  2. Spannendes und vor allem so aktuelles Thema!

    Habe letztes sogar von einer Urlaubsreise gehört, in der das Hotelpersonal am Anfang alle Handys der Urlauber einsammelt, damit diese wirklich detoxen und entspannen können. Finde ich persönlich eine sehr gute Idee, denn wie du schon erwähnt hast, ist es im heutigen Zeitalter so gut wie unmöglich sich ohne Internet fortzubewegen. Deshalb sollten wir unseren Umgang etwas bewusster gestalten.

    Gefällt mir

  3. Cooles Thema, muss sagen, wenn das Internet mal „Down“ ist, räume ich auch immer auf 😀 Aber wriklich faszinierend zu sehen, wie wichtig das Internet wirklich geworden ist, besonders für die Uni! Ich leg mein Handy aber auch gerne mal einfach weg, das ist schon fast wie ein kleiner Urlaub mal nicht erreichbar zu sein.

    Gefällt mir

  4. Hi Alina, dein Blogpost ist dir super gut gelungen, wie ich finde! 🙂 Ich gebe dir Recht, dass man heutzutage einfach nicht mehr ohne das Internet kann! Heutzutage wird es einfach vorausgesetzt. Man kann sich alles ergoogeln, was ich aber auch gut finde.

    Andererseits braucht man auch mal
    Abstand von seinem Smartphone und dabei hilft der entschleiertet Lebensstil „Slow“.

    Jetzt lese ich mir noch deinen 2. durch (#falschereihenfolgeaberegal) 😂

    Gefällt mir

  5. Guter Blogbeitrag. Ich glaube als onkomm Studenten, können wir uns alle als Internetjunkies bezeichnen. Aber ich geniße es auch mal, Abstand davon zu haben. Finde dein gewähltes Thema daher, sehr interessant und informativ.

    Gefällt mir

  6. Alina, ich finde deinen Blogbeitrag sehr gut. Er ist gut gegliedert und umfasst mehrere Dinge die man Online oder Offline machen kann.
    Mir fällt es auch sehr schwer, mein Handy zu Seite zu legen. Aber bei unserem Studium steigt ja die Abhängigkeit noch mehr. Toller Blog mach weiter so. 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s